Die (doch nicht) unendliche (Uhren-)Geschichte

Mittwoch, 23. August 2006

citizen.jpgIch bin weißgott kein Mensch, der großen Wert auf Schmuck legt. Armbänder, Ketten, Ringe – müssen nicht sein. Aber auf meine Uhr – eine Citizen Segleruhr, die damals knapp 600 Mark kostete – mag ich trotzdem nicht verzichten.

Nun ist es ja so, dass eine Uhr nicht von selbst läuft, entweder wird sie alle paar Tage neu aufgezogen oder sie beinhaltet eine Batterie, die für normalsterbliche Menschen nicht zu wechseln ist. Das zwingt mich alle anderthalb Jahre zu einem Gang zum Uhrengeschäft, und da ich die lokale Wirtschaft stärken will, führt mein Gang natürlich in die Süchtelner City.

Am ersten Augustsonntag war es wieder mal soweit, die Uhr gab ganz langsam ihren Geist auf. Erst wurde das Display langsam unleserlich, dann hörten die Zeiger auf zu ticken. So wie jedes mal eigentlich. Da ich keine Zeit hatte, die Uhr selbst weg zu bringen, schickte ich meinen Großvater auf den Weg, der dadurch auch eine produktive Aufgabe hatte.

Dieser rief mich auch wenig später in der Firma an – die Uhr sei kaputt. Das erstaunte mich ziemlich, da ja nur die Batterie getauscht werden sollte und die Uhr vorher (bis auf die typischen Anzeichen bei einer Batterieschwäche) perfekt funktionierte. Wenig später rückte er mit der ganzen Wahrheit heraus, er hatte die Uhr nämlich nicht bei meinem Stamm-Uhrengeschäft abgegeben, sondern bei Schrey, einem anderen Schmuck- und Uhrengeschäft mitten in der Süchtelner Innenstadt, über welches ich bisher weder Gutes noch Schlechtes gehört habe.

Abends ging ich mit der Uhr in besagtes Geschäft und verlangte eine Erklärung. “Die Uhr muss schon vorher kaputt gewesen sein, jede Uhr geht irgendwann mal kaputt”, hieß es nur. Im weiteren Gesprächsverlauf wurde mir gesagt, dass man sich mit solchen Uhren nicht auskenne, jede Uhr sei anders, man könne eigentlich nur die Batterien wechseln. Mir wurde angeboten, die Uhr zu einem Uhrmacher zu schicken und mir einen Kostenvoranschlag zukommen zu lassen – da die Uhr einen gewissen ideellen Wert für mich hat, kam eigentlich nur diese Möglichkeit für mich in Frage.

Zwei Wochen später erreichte mich ein Anruf in der Firma – die Uhr sei jetzt fertig. Nanu, wo war denn der versprochene Kostenvoranschlag? Würde Schrey die Rechnung jetzt doch selbst bezahlen und einen Fehler eingestehen?

Weder noch. Es sollte sowieso ganz anders kommen, als ich mir jemals gedacht hätte. Als ich abends in das Ladenlokal trat, erklärte mir die Dame freudestrahlend, es habe nur 15 Euro gekostet und alles wäre wieder in Ordnung. Ob ich mich denn nicht mit der Uhr auskennen würde, der Uhrmacher habe doch gar nichts… ööööhm, bestimmt habe der was gemacht, aber nur etwas, was ich auch bestimmt hätte machen können.

Noch Stunden später suchte ich den Ein-/Ausschalter an der Uhr oder zumindest irgendetwas in der Anleitung, was ich übersehen haben könnte. Nichts. Meine Theorie: Wenn man die Batterie richtig in die Uhr einlegt, funktioniert sie sofort. Sie hat nicht sofort funktioniert, also wurde die Batterie offensichtlich falsch eingelegt. Beweisen kann ich nichts, ist mir auch egal. 15 Euro hin oder her.
Ich werde es nie herausfinden, ich werde mir dieses Abenteuer aber auch kein zweites mal antun.


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